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  • Eines der letzten natürlichen Gebiete Westeuropas

    17. Oktober 2016

    Im Rahmen der 8. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hielt Hans-Ulrich Rösner vom WWF Deutschland den Festvortrag bei der diesjährigen Eröffnungsveranstaltung am 7. Oktober. Thema war die Bedeutung der Zugvögel für das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. WattWiki traf den Ornithologen für ein Interview.

    Moin Herr Rösner, wollen Sie uns kurz erzählen, was Sie beim WWF machen? Welche Aufgabenschwerpunkte haben Sie und wie steht das mit den Zugvögeln in Verbindung?

    Der WWF engagiert sich bereits seit 1977 für den Schutz des Wattenmeeres. Der Schutz der Zugvögel aus der Arktis stand da immer sehr stark im Mittelpunkt, und trug dazu bei, dass das Wattenmeer in einer großen Kraftanstrengung in den 80er-Jahren Nationalpark wurde und dass Deutschland, Dänemark und die Niederlande auch seit damals beim Schutz zusammenarbeiten.

    Ich selbst war damals zum WWF gekommen und leite heute die WWF-Arbeit im Wattenmeer – ob es um Fischerei, Küstenschutz oder Industrialisierung geht, das sind alles Themen die nicht immer so laufen, dass sie mit dem Nationalpark verträglich sind! Sehr wichtig für uns ist auch die Klimaanpassung des Wattenmeeres, also wie bekommen wir es hin, dass das Wattenmeer mit dem Meeresspiegelanstieg in die Höhe wächst statt dauerhaft überflutet zu werden? Dies ist auf lange Sicht, auf 50, 100 oder mehr Jahre, wohl die größte Herausforderung für den Wattenmeerschutz.
    Mehr Freude als Ärger gibt es übrigens bei der Zusammenarbeit mit dem Tourismus, der ja auch ein ganz großes Interesse an einer intakten Natur an der Küste hat, denn genau dieses suchen ja auch die meisten Gäste. Und Umweltbildung gehört auch zu unseren Themen, wir entwickeln für die Arbeit mit Kinder oder die Information der Gäste viele Produkte, die in den Infozentren verwendet werden. Unser Wattenmeerbüro, in dem ich mit einem kleinen Team arbeite, liegt dabei im schleswig-holsteinischen Husum.

    Was macht das Wattenmeer so besonders? Was macht dieses Gebiet so schützenswert?

    Es ist das größte zusammenhängende Wattgebiet der Erde, und es ist eines der natürlichsten Gebiete, die wir in Westeuropa noch haben. Unter den Tieren sind es ganz besonders die rund 10 Millionen Wat- und Wasservögel, die das Wattenmeer im Laufe eines Jahres aufsuchen. 10 % von denen brüten hier, das sind auch wirklich schon sehr viele, aber 90 % kommen aus der halben Arktis zu uns, von Nordsibirien bis Grönland und Nordostkanada. Manche von ihnen kommen mit ihrem ganzen Artbestand, und viele sind wirklich zu ihrer Erhaltung auf das Wattenmeer angewiesen, denn andere Gebiete dieser Größe mit so viel leckerem Futter vom trockenfallenden Meeresboden lassen sich für sie nicht finden. Ich könnte noch mehr anführen, die großen Salzwiesen, die Dünen, die 40.000 Seehunde oder die 4.000 Kegelrobben, alles sehr gute Argumente zum Schutz. Und ich finde, es sind nicht nur die Arten, es ist auch diese wunderbare Landschaft, die Schönheit, die eindeutig auch zu den Schutzgründen gehört!

    Was bildete Ihrer Meinung nach die Grundlage zum Wattenmeerschutz in Deutschland und international?

    Rechtlich gesehen ist es in Deutschland die Ausweisung als Nationalpark in allen drei beteiligten Bundesländern, und der Umstand, dass danach dann praktisch das gesamte Wattenmeer nach den europäischen Naturschutzrichtlinien geschützt wurde. Die Leitlinie für den Schutz ist dabei, im Wattenmeer soweit wie nur irgend möglich eine ungestörte und natürliche Entwicklung zuzulassen und sich dabei so wenig wie möglich einzumischen. Die Anerkennung als Weltnaturerbe seit 2009 fügte da, rechtlich gesehen, eigentlich nichts hinzu. Sie brachte aber ein großes Plus an gesellschaftlicher Anerkennung für den Schutz. Das ist enorm wertvoll, denn letztlich braucht der Schutz des Wattenmeeres immer auch die Unterstützung durch die Menschen!

    Was haben die Zugvögel mit dem Schutz des Wattenmeeres zu tun?

    Sie sind zu einem ganz wesentlichen Teil die Grundlage für den Schutz. Sie sind es, die das Wattenmeer mit vielen anderen Teilen der Welt bis zur Arktis und bis nach Afrika, teils sogar bis zur Antarktis, verbinden. Ich finde, kaum etwas zeigt mehr die Bedeutung des Schutzes für die Zugvögel als der Umstand, dass ohne das Wattenmeer viel weniger Knutts, Alpenstrandläufer, Pfuhlschnepfen, Ringelgänse und viele andere Arten in der Arktis brüten könnten als es mit ihm als ihrem größten Rastgebiet entlang des Zugweges der Fall ist.

    Sie sind selbst Ornithologe. Was macht für Sie die Faszination des Vogelzugs aus?

    Die Vogelwolken über dem Watt am Horizont. Oder, wenn man vor einem Trupp von Knutts, Sanderlingen oder Ringelgänsen steht, und weiß: Die fliegen in 1-2 Wochen 5.000 Kilometer in den Norden um dort dann weit verteilt in der Tundra ihr Nest anzulegen und Junge aufzuziehen. Oder, jetzt im Herbst, zu wissen, die kamen vor einigen Wochen aus der Arktis wieder an, und man sieht die erst vor kurzem aus dem Ei geschlüpften Jungvögel zusammen mit den Altvögeln im Schwarm. Ich finde diese Vorstellung immer wieder faszinierend.

    Welche Vogelarten sind derzeit am meisten gefährdet? Was sollte, ihrer Meinung nach dagegen getan werden?

    Im Wattenmeer sind es zum Beispiel Seeregenpfeifer, Sandregenpfeifer, Zwergseeschwalbe oder Lachseeschwalbe. Die brüten hier, sind aber natürlich auch Zugvögel, denn gleich nach der Brutzeit fliegen sie in den Süden. Das Wichtigste zum Schutz dieser und vieler anderer Arten ist es, die Brutplätze in Ruhe zu lassen, und auch zu verhindern, dass immer mehr Tiere wie Füchse, Igel, oder Marder auf den Inseln eingeschleppt werden, die die Eier oder Küken fressen. Natürlicherweise kommen viele solcher Säugetiere auf Inseln gar nicht vor, weshalb die Küstenvögel dort ja auch in so großen Zahlen brüten. Und wenn man die großen Schwärme der Wat- und Wasservögel erhalten will, dann muss man vor allem dafür sorgen, dass das Wattenmeer als ihre Lebensgrundlage und dies ohne Schadstoffe und Müll erhalten bleibt. Dazu gehört übrigens auch, dass genügend ungestörte Bereiche für die Vögel bleiben – also Kitesurfen und Drachen steigenlassen darf man bitte nur in den dafür ausgewiesenen Zonen des Nationalparks. Und wenn man als Wanderer unterwegs ist und sieht einen Vogeltrupp, sollte man sich an die Nationalparkschilder halten, die meistens für Abstand zu den Vögeln sorgen. Und wenn mal kein Schild da ist, aber viele Vögel, dann darf man auch ganz ohne Schild so viel Abstand halten, dass die Vögel nicht unnötig auffliegen müssen.

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